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29. Juni 2022

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Der Klimawandel bringt Stimmen für grüne Parteien

Der Klimawandel bringt Stimmen für grüne Parteien© Pexels.com/Inga Seliverstova

Ungewöhnlich warme Tage lassen Umweltbewusstsein und parallel dann auch den Stimmenanteil grüner Parteien ansteigen, so eine internationale Studie mit Beteiligung von Akademie der Wissenschaften und Uni Wien.

(red/mich/cc) Forscherteams der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität Wien haben gemeinsam mit internationalen Kollegen Wetterdaten zu Temperatur und Dürre mit europaweiten, kleinräumigen Daten zu Sichtweisen betreffend Umwelt und Wahlverhalten verknüpft. In Summe wurden 42 Eurobarometer-Umfragen zwischen 2002 und 2019 für 34 europäische Länder und die sechs Europawahlen von 1994 bis 2019 für 28 Länder ausgewertet.
 
Das umfangreiche Zahlenmaterial zeigt, dass die messbare Zunahme an ungewöhnlich hohen Temperaturen zur vermehrten Sorge um die Klimaveränderung geführt hat – und parallel zu Höhenflügen grüner Parteien im nordwestlichen Europa beigetragen haben. „Wir können zeigen, dass die unmittelbare Erfahrung von extremen Temperaturen und Dürren zu einer Stärkung des Umweltbewusstseins führt und das trägt bei, dass mehr Menschen grüne Parteien wählen“, erläutert Roman Hoffmann, Studienautor vom Institut für Demographie der ÖAW.

Je wärmer, desto grüner
Das Ausmaß der Effekte von Klimaextremen auf das Wahlverhalten ist dabei beträchtlich. Nach Berechnungen der Wissenschaftler lässt ein zusätzlicher ungewöhnlich warmer Tag in jedem Monat eines Jahres die Umweltbesorgnis sowie die Zustimmung zu grünen Parteien um jeweils 0,8 Prozentpunkte steigen. „Angesichts der erheblichen Temperaturanomalien, die wir in den vergangenen Jahren erlebt haben, kann dies kommende Wahlergebnisse zunehmend beeinflussen“, so Hoffmann.
 
Auffallend ist, dass sich die Sorge um den Klimawandel und andere Umweltprobleme nicht einheitlich auf Europa verteilt, sondern stark zwischen den Regionen variiert. „Das Umweltbewusstsein ist in den vergangenen Jahren hauptsächlich in West- und Nordeuropa angestiegen, während wir in Süd- und Osteuropa zwar auch einen leichten Anstieg verzeichnen, allerdings weniger deutlich und auf einem niedrigeren Niveau“, erklärt Jonas Peisker, Co-Autor vom Institut für Demographie der Universität Wien.

Ökonomische und demographische Faktoren
Regional unterschiedlich wirken sich Klimaextreme auch auf Umweltbewusstsein und Wahlverhalten aus: In südeuropäischen und damit wärmeren Regionen Europas beeinflussen ungewöhnlich hohe Temperaturen den Urnengang weniger stark als in Regionen mit einem moderaten Klima. „Wir finden Hinweise darauf, dass sich dies auf die bessere Anpassung dieser Regionen an warmes, trockenes Klima, etwa im Bereich der Landwirtschaft, zurückführen lässt“, so Peisker.
 
Aber auch ökonomische und demographische Faktoren spielen eine Rolle in Sachen Klimabewusstsein. Wohngegenden mit höherem Einkommensniveau reagieren sensibler auf Dürre und Temperaturanomalien als einkommensschwache Gebiete. Zudem stellten die Studienautoren fest, dass Regionen mit mehr Landwirtschaft, einer besser gebildeten Bevölkerung sowie einem höheren Anteil junger Menschen stärker von den Wettereignissen beeinflusst werden.

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red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 15.02.2022