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20. April 2024

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„Menschen möchten Dinge besitzen und sich Neues leisten“

„Menschen möchten Dinge besitzen und sich Neues leisten“© pexels/pixabay

Das aktuelle lineare Wirtschaftssystem schädigt den Planeten und vernichtet künftig nötige Ressourcen. Kreislaufwirtschaft wäre ein Ausweg, hat aber oft zu geringe Akzeptanz. Die Standortagentur Tirol zeigte Lösungswege auf.

(red/czaak) Das aktuelle lineare Wirtschaftssystem schädigt nicht nur den Planenten und damit unser aller Lebensgrundlage, es verbraucht auch deutlich mehr an Ressourcen, als mittel- und langfristig zur Verfügung stehen. Die Kreislaufwirtschaft bietet einen Ausweg aus diesem Dilemma. Doch sie stößt oftmals nicht auf die nötige Akzeptanz bei Kunden wie Lieferanten. Wie dies besser gelingen kann, zeigten Experten wie Thomas Brudermann und Peter Post bei einer Veranstaltung der Standortagentur Tirol.

Grundsätzlich basiert Kreislaufwirtschaft darauf, dass Produkte so designt und produziert werden, dass sie so lange wie möglich verwendet, geteilt, geleast, wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet und recycelt werden können, um sie im Kreislauf zu halten - und ihre Lebensdauer entsprechend zu verlängern. Studien zeigen, dass die meisten Menschen diesem Konzept sehr positiv gegenüberstehen. Allerdings setzen viele ihre positive Einstellung nicht in entsprechende Handlungen um.

Persönliche Sichtweisen und Rahmenbedingungen als Ansatz
„Die meisten Menschen sind keine Klimahasser. Das Thema Kreislaufwirtschaft habe für sie in ihrem Alltag jedoch einfach keine Priorität. Zudem gebe es auch diverse Barrieren, die den Durchbruch der Kreislaufwirtschaft erschweren“, erläuterte Thomas Brudermann, Psychologe und Professor für Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung an der Universität Graz in seiner Einleitung im Rahmen der Veranstaltung.

„In unserer Kultur möchten Menschen Dinge besitzen und sich Neues leisten und das ist das genaue Gegenteil von Prinzipien der Kreislaufwirtschaft“, so Brudermann. Wer also Menschen dazu bewegen möchte, im Sinne der Circular Economy zu handeln, müsse an zwei Faktoren ansetzen: erstens dem Mindset, also an Denkweisen, Überzeugungen und Haltungen. Und zweitens gelte es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Kreislaufwirtschaft begünstigen.

Kreislauffähiges Handeln muss einfach sein und eine Identifikation schaffen
Ebenso relevant sei, „Kunden so einfach wie möglich zu machen, nachhaltig zu handeln“. Beispielsweise können Produkte und Dienstleistungen so gestaltet sein, dass Menschen Freude daran haben, sie in Anspruch zu nehmen. „Wer eine Beziehung zu Dingen oder Angeboten aufbaut, betrachtet diese auch nicht als Wegwerfartikel“, so Brudermann. Andererseits brauche es auch regulatorische Vorgaben, welche die Kreislaufwirtschaft begünstigen und hier sei „dann der Gesetzgeber gefordert“.

Peter Post erläuterte dann, wie zirkuläre Geschäftsmodelle schnell, günstig und nutzer:innenorientiert entwickelt und getestet werden können. Post entwickelt seit über 25 Jahren Produkte und Dienstleistungen, zudem ist er Mitinitiator der Plattform circular-experiences.org. Hier werden Methoden für ein besseres Kundenerlebnis in der Kreislaufwirtschaft entwickelt und Unternehmen kostenlos Prototypen zur Verfügung gestellt, mit denen sie ihre Modelle und Produkte auf den Prüfstand stellen können.

Kunden sollen kreislauffähige Produkte und Dienstleistungen bevorzugen
„Kund:innen leisten einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen von Kreislaufwirtschaft, entsprechend müssen sie dafür gewonnen werden, kreislauffähige Produkte und Dienstleistungen zu bevorzugen und Prinzipien der Circular Economy zu leben“ betont Peter Post. „Damit das gelingt, müssen wir den Menschen so viel Mühe wie möglich abnehmen und so viel Freude wie möglich bereiten – und das ist die Aufgabe von Produkt- und Service-Designer“, so Post.

Die Experten unterstreichen auch die Notwendigkeit Modelle zu schaffen, die es einfach machen, Dinge zu teilen oder zu mieten. „Und dies vor dem Hintergrund, dass viele Menschen lieber besitzen, statt zu teilen“, so Post. Die Entwickler und Gestalter von Produkten können sich dabei verschiedene psychologische Methoden zu Nutze machen. Relevant seien dabei auch digitale Services, um den Lebenszyklus von Produkten zu verlängern.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 08.02.2024